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Rapport und Rekordprämie: Wie Marinakis Bayer-Gegner Piräus motiviert

Rapport und Rekordprämie: Wie Marinakis Bayer-Gegner Piräus motiviert

Olympiakos Piräus, Play-off-Gegner von Bayer Leverkusen in der Champions League, strauchelt in der heimischen Liga. Klub-Besitzer Evangelos Marinakis will mit Sonderzahlungen dem Schlendrian entgegenwirken.

Ein ernsthafter Handschlag von Evangelos Marinakis.

IMAGO/One Inch Productions

Es war eine bezeichnende Szene am Samstag in der Schlussminute beim torlosen Remis von Olympiakos in Livadia: Bei der letzten der 48 Flanken im Spiel setzt Stürmerstar Ayoub El Kaabi freistehend im Fünfer spektakulär zum Seitfallzieher an, der Ball verfehlt kläglich hoch und weit das Tor.

Es läuft national aktuell unrund für den Play-off-Gegner von Bayer Leverkusen. Seit Mitte Dezember war es bereits der fünfte Punktverlust der Hafenstädter, lediglich drei Siege aus acht Spielen kommen in Piräus gar nicht gut an. Erst recht nicht bei Eigner Evangelos Marinakis, der am trainingsfreien Montag Spieler und Trainer aufsuchte, um herauszufinden, woran es liegt. Dazu später mehr.

Beim Überraschungsteam Levadiakos spielte Olympiakos sogar über 50 Minuten lang in Überzahl, doch es blieb nur bei der optischen Überlegenheit. Einfallslos, einseitig mit den beschriebenen – und rekordverdächtigen – 48 Flanken, leidenschaftslos und ohne jeglichen Plan B präsentierte sich erneut das Team von Coach José Luis Mendilibar. Die enorme Intensität aller acht bisherigen Champions-League-Spiele ist aktuell entschwunden.

Gewiss ist es keine Schande, beim aktuellen Tabellenvierten Punkte zu lassen, doch der negative Eindruck zieht sich seit Wochen. In der Vorwoche brachte der sich derzeit im totalen Umbruch befindende Erzrivale Panathinaikos von Trainer Rafa Benitez den Hausherren eine bittere Derbypleite bei (0:1). Gegen AEK verhinderte nur ein sehr später Elfer (90./+16) eine Niederlage (1:1). Zwei weitere Wochen davor schied Olympiakos fast ohne Gegenwehr zu Hause gegen PAOK (0:2) im Pokal-Viertelfinale aus.

Marinakis trickst auch bei Transfers

Zeitgleich schaffte Olympiakos in der Champions League jedoch eindrucksvoll den Einzug in den Play-offs. Noch bis Anfang Dezember und nach dem 5. Spieltag lag Piräus mit zwei mickrigen Zählern fast aussichtslos im Tabellenkeller. Doch drei Siege in Folge bei Qarabag (1:0), den erneuten Gegner Bayer (2:0) und zuletzt in Amsterdam bei Ajax (2:1) brachten souverän den komfortablen 18. Rang der Ligaphase. Und das ist genau der Vorwurf von Fans und Umfeld in Piräus. Spieler und Trainer blicken nur auf die Königsklasse und kümmern sich nur nebenbei um die heimischen Wettbewerbe.

Im Vergleich zum Spiel am 20. Januar gegen Leverkusen wird Olympiakos zwei neue Akteure vorweisen können. Vom portugiesischen Partnerklub Rio Ave kamen im Winter Außenspieler André Luiz (20 Spiele, sieben Tore, sechs Vorlagen) und Stürmer Clayton (19 Spiele, zehn Tore, vier Assists) nach Piräus.

Soweit nichts Außergewöhnliches. Doch die portugiesische Tageszeitung Record brachte unlängst Licht in die beiden Transfers. Für André Luiz bot demnach Benfica zwölf Millionen Euro fix plus drei weitere an Boni. Für Clayton gaben Besiktas und ein Klub aus den Vereinigten Arabischen Emiraten Angebote von bis zu acht Millionen Euro ab. Rio Ave, das auch der Marinakis-Group angehört, lehnte diese lukrativen Angebote jedoch umgehend ab. Einige Tage später wechselten die beiden Spieler für fixe 6,75 und fünf Millionen Euro in die griechische Hafenstadt.

Die klamme Vereinskasse von Rio Ave freut sich über die Einnahmen. Bei seiner Rede an die Olympiakos-Spieler am Montag bestätigte Marinakis selbst diese Vorgehensweise: “Ich hätte André Luiz für 20 Millionen an Benfica oder Wolverhampton und Clayton für zehn an die Emirate verkaufen können, doch sie kamen hierher, um Olympiakos bei unseren Zielen zu verstärken”. Solche Aussagen hört die große und beunruhigte Anhängerschaft in Hellas gern.

Taremi wurde geschont

Das abstiegsgefährdete Rio Ave erhielt zudem Innenverteidiger Gustavo Mancha, der bei Olympiakos keine Rolle spielte und im Winter leihweise kam. Zudem kehrte Rekordtransfer Gabriel Strefezza (kam für acht Millionen im Sommer von Como) nach Italien und vorerst zu Parma zurück. Auch der dritte nominelle Stürmer Roman Yaremtchuk (49 Spiele, 14 Tore, fünf Vorlagen) wechselte nach eineinhalb Jahren zu Olympique Lyon, um mehr Spielpraxis zu erhalten.

Ayoub El Kaabi

Nicht in Form: Ayoub El Kaabi
IMAGO/Focus Images

Apropos Stürmer: Der Iraner Mehdi Taremi (16 Tore, fünf Assists), der gegen Bayer den 2:0-Endstand erzielte, wurde beim Ligaspiel geschont und dürfte gegen Leverkusen auflaufen. Damit droht dem derzeit kriselnden Angreifer El Kaabi die Reservebank. Der Marokkaner wirkt nach dem Afrika-Cup ausgelaugt und völlig außer Form. Seine seit Monaten erwartete Vertragsverlängerung mit Olympiakos steht zudem noch aus.

UEFA-Chef Ceferin vor Ort

Beim Montagsrapport von Marinakis gab es jedoch nicht nur den Weckruf an das Team und den Trainer, sondern auch finanzielle Anreize. Sollte Olympiakos gegen Bayer Leverkusen – auch vor den Augen von UEFA-Präsident Aleksander Ceferin, der sich samt Delegation für den heutigen Mittwoch in Piräus angekündigt hat – den Einzug ins Achtelfinale schaffen, wird es eine “in dieser Höhe noch nie dagewesene Prämie” geben.

Und damit das Team in der Liga nicht weiterhin schludert, versprach Marinakis eine weitere gleich hinterher. Für die fünf verbliebenen Ligaspiele bis zu den Play-offs wird bei fünf Siegen auch zusätzliches Geld fließen. Vielleicht wird das Team dadurch auch in der Liga kreativer und vermeidet weitere Flankenrekorde.

Caio Rocha

Sou Caio Rocha, redator especializado em Tecnologia da Informação, com formação em Ciência da Computação. Escrevo sobre inovação, segurança digital, software e tendências do setor. Minha missão é traduzir o universo tech em uma linguagem acessível, ajudando pessoas e empresas a entenderem e aproveitarem o poder da tecnologia no dia a dia.

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