Bayer-Aktie: Prognose nach Umstrukturierung | comdirect Magazin
- Der Bayer-Konzernumbau geht zügig voran.
- Bayer klagt gegen BioNTech und Pfizer.
- Ergebnis wird noch von Sondereinflüssen beeinträchtigt.
Pro Bayer
(WKN BAY001)
- Urgestein im Wandel:
Der ehemalige Viel-Sparten-Konzern Bayer konzentriert sich inzwischen auf die Sparten Pharma/Healthcare und Agrarchemie (Crop Science). Der seit 2023 amtierende Konzernchef Bill Anderson baut den Konzern radikal um. Etwa zwei Drittel der rund 15.000 Management-Stellen wurden abgebaut. Kurzfristig kostet das Geld, langfristig gibt es deutliche Einsparungen. - Glyphosat-Entscheidung in Sicht:
Der Streit um das Pflanzenschutzmittel Glyphosat belastet Bayer seit der Übernahme von Monsanto. Jetzt blickt die Finanzwelt auf den Supreme Court. Wenn er entscheidet, dass die Zulassung durch die Umweltbehörde EPA auf Bundesebene Haftungsklagen auf Bundesstaaten aushebelt, wäre ein Ende der Glyphosat-Klagen in Sicht. - Geld von Pfizer und BioNTech?
Bayer hat eine Klage gegen die Corona-Impfstoff-Giganten BioNTech und Pfizer eingereicht. Es geht um Patentverletzungen bei der mRNA-Technologie, die den Herstellern in der Pandemie Milliardenumsätze bescherte. Die Technologie gehe auf geschützte Erfindungen von Monsanto zurück. Gewinnt Bayer den Prozess, werden zusätzliche Gelder frei, die beispielsweise für die Forschung im Pharma-Bereich eingesetzt werden können. - Analystenvertrauen ist intakt:
Expertinnen und Experten trauen der Bayer-Aktie wieder einiges zu. Aktuell lauten 6 von 10 der von comdirect veröffentlichten Analysten-Einschätzungen auf „Kauf“. Dazu kommen 4 Halteempfehlungen, eine Verkaufsempfehlung gibt es nicht.
Contra Bayer
(WKN BAY001)
- Geschäftszahlen weiterhin schwach:
Im 3. Quartal 2025 setzte Bayer knapp 9,7 Milliarden Euro um – das waren rund 3 % weniger als im Vorjahreszeitraum. Das EBIT-Ergebnis lag wegen Sonderbelastungen bei minus 543 Millionen Euro. Das Konzernergebnis lag bei minus 963 Millionen Euro – immerhin weniger als im Vorjahr, als das Defizit über 4 Milliarden Euro betragen hatte. - Anhaltende Sonderbelastungen:
Bayer muss wegen der Rechtsstreitigkeiten in den USA rund um Glyphosat und PCB-Chemikalien weiter Geld auf die Seite legen. Im 3. Quartal belasteten diese mit fast 1 Milliarde Euro. Insgesamt erwartet Bayer-Chef Anderson für 2025 Sonderbelastungen von 3,5 bis 4,0 Milliarden Euro statt wie bisher geplant 2,5 bis 3,5 Milliarden Euro. - Pharmasparte bleibt schwach:
Die Pharmasparte blieb weiterhin hinter den Erwartungen zurück. Die Erlöse mit dem Blutverdünner Xarelto und dem Augenmedikament Eylea sanken zuletzt 2-stellig. Hoffnung für die Zukunft und einen starken Kursaufschwung lösten unerwartet starke Studienergebnisse für den Gerinnungshemmer Asundexian aus. - Mini-Dividende und hohe Bewertung:
Für Value-Anleger hat die Bayer-Aktie zurzeit wenig zu bieten. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis für das Jahr 2026 liegt bei annähernd 19 und damit deutlich über früheren Werten. Die Dividende wurde im Jahr 2025 stark gekappt und reicht nur noch für eine Dividendenrendite von 0,3 %.
Über Bayer
Der Vorläufer der heutigen Bayer AG wurde 1863 in Wuppertal von Friedrich Bayer und Johann Friedrich Weskott gegründet. Die ersten wichtigen chemischen Produkte waren Fuchsin und Anilin. 1866 zog das Unternehmen nach Elberfeld um und baute unter dem Chemiker Carl Duisberg die chemische Forschung aus. Gleichzeitig arbeiteten Duisberg und Felix Hoffmann an pharmazeutischen Produkten. 3 große Entdeckungen wurden in Elberfeld gemacht. Die vielversprechendste schien zunächst Diacetylmorphin zu sein, das unter dem Markennamen Heroin in den Markt kam und später aus gutem Grund verboten wurde. Mit der Acetylsalicylsäure (Aspirin) ist Bayer heute noch bei rezeptfreien Schmerzmitteln vertreten. Das Sulfonamid Prontosil schließlich war das weltweit erste Chemotherapeutikum und brachte dem Forscher Gerhard Domagk 1939 den Nobelpreis für Medizin.
Schon um die Jahrhundertwende verlegte Bayer die Produktion Zug um Zug in das Dorf Wiesdorf nahe Köln. In den nächsten Jahrzehnten entstand hier aus mehreren Kleindörfern die Stadt Leverkusen. Bayer entwickelte sich zu einem der größten deutschen Chemie- und Pharmakonzerne und betrieb seine Geschäfte mit BASF, Agfa und Hoechst in der IG Farben AG. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieses Konglomerat von den Alliierten aufgelöst. 1953 ging die Bayer AG wieder allein an die Börse und entwickelte sich im Nachkriegsdeutschland auch durch zahlreiche Zukäufe zu einem Global Player mit den 4 Standbeinen Pharma, Pflanzenschutz, Chemie und Kunststoffe. Im Wendejahr 1990 arbeiteten 171.000 Mitarbeiter für den Konzern.
Nach der Jahrtausendwende stellte Bayer das Geschäftsmodell um. Das Spezialchemiegeschäft wurde als Lanxess abgespalten und im Jahr 2005 an die Börse gebracht. 10 Jahre später trennte sich Bayer auch von der Kunststoffsparte, die seit Oktober 2015 unter dem Namen Covestro börsennotiert ist. Von den ursprünglichen Geschäftsbereichen blieb der Pharmasektor, unterteilt in rezeptpflichtige Pharmaceuticals und rezeptfreie Consumer-Health-Produkte, zu denen so bekannte Marken wie Aspirin, Bepanthen und Claritin gehören.
Zunehmend entwickelte sich in den vergangenen 20 Jahren der Pflanzenschutz (Crop Science) zum neuen Bayer-Geschäftsschwerpunkt. 2001 übernahm Bayer für über 7 Milliarden Euro die Pflanzenschutz-Sparte von Aventis. Ungleich größer war der Monsanto-Deal. Nach rund 2 Jahren Verhandlungen um Kaufpreis und Kartellgenehmigungen übernahm Bayer den amerikanischen Konkurrenten im Juni 2018 für umgerechnet rund 65 Milliarden Euro. Der Kauf war bei den Bayer-Aktionärinnen und -Aktionären hoch umstritten. Sie haben bisher recht behalten. Wegen zahlreicher Klagen gegen das Monsanto-Produkt Glyphosat hat sich der Aktienkurs von Bayer bis heute nicht von dem Deal erholt. Der neue Konzernchef Bill Anderson trat im Jahr 2023 an und versprach, Bayer neu zu strukturieren. Mit der Ausdünnung der obersten Konzernebenen gelang es ihm 2025, den Abwärtstrend bei der Börsenbewertung zu stoppen. Gegenüber dem Tief hat sich der Kurs zuletzt mehr als verdoppelt. Dennoch: Mit einer Marktkapitalisierung von knapp 45 Milliarden Euro entspricht der aktuelle Börsenwert von Bayer nicht einmal dem einstigen Kaufpreis für Monsanto.
Aktien unterliegen Kursschwankungen; damit sind Kursverluste möglich. Bei Wertpapieren, die nicht in Euro notieren, sind zudem Währungsverluste möglich. Die frühere Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Auswirkung von Inflation: Grundsätzlich beeinflusst die Entwicklung der Inflationsrate deinen Anlageerfolg. Ein daraus resultierender Kaufkraftverlust betrifft sowohl die erzielten Erträge als auch dein investiertes Kapital. Es handelt sich um die Angabe der Bruttowertentwicklung (siehe „Hinweise zu Chart- und Performanceangaben“). Die Auswahl der Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente dient ausschließlich Informationszwecken und stellt kein Angebot, keine Aufforderung oder Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten dar. Sie soll lediglich deine selbstständige Anlageentscheidung erleichtern und ersetzt keine anleger‐ und anlagegerechte Beratung. Bei den hier dargestellten Informationen und Wertungen handelt es sich um eine Werbemitteilung, die nicht den gesetzlichen Anforderungen zur Gewährleistung der Unvoreingenommenheit einer Anlageempfehlung oder Anlagestrategieempfehlung genügt. Die Darstellung gibt nicht die Meinung von comdirect wieder. Darüber hinaus unterliegen die dargestellten Wertpapiere und sonstigen Finanzinstrumente keinem Verbot des Handels vor der Veröffentlichung von Anlage‐ oder Anlagestrategieempfehlungen. Der comdirect Analystenscore berechnet sich aus der Gesamtzahl der Analystinnen und Analysten, die diese Aktie bewerten. Die negativen Einschätzungen (Verkaufen) werden von den positiven (Kaufen) subtrahiert und das Ergebnis durch die Gesamtzahl aller Einschätzungen (Kaufen, Halten, Verkaufen) dividiert. Diese Zahl wird mit 100 multipliziert, um den Prozentwert darzustellen. Stand: 26.01.2026; Quelle: comdirect.de




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